RTLV 6 – Dots: Ankommen oder Arbeiten?

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RTLV 6 – Dots: Ankommen oder Arbeiten?

Die Level

Level 1 und 2

Der Fall ging recht einfach los. Im Endeffekt musste man nur ein paar Pattern erkennen. Level 1 war, wie viele Vierecke in einem Grid mit einer bestimmten Größe erstellt werden können. Wenn ich 3 Punkte in Zeilen und 4 in Spalten habe, kann ich 6 Vierecke erstellen.

Bei Level 2 ging es dann um die Verbindungen zwischen Punkten. Wie viele Linien kann man zeichnen, in einem Grid einer bestimmten Größe. Beides war sehr einfach, wenn man kurz drüber nachdenkt und sich ein Bild dazu anguckt (welches gegeben war).

Level 3

Level 3 ging darum, die Koordinaten von Linien zu ermitteln. Das habe ich live deutlich komplizierter gemacht als notwendig. Im Endeffekt war das Grid so aufgebaut, dass es einfach nur die Hälfte von den Zeilen und Spaltenwerten der gegebenen Linie ist. Damit war Level 3 noch sehr einfach. Ich hab das jedoch während der Runde nicht gesehen und habe mir ein Hilfsgrid aufgebaut und dann einen Verweis darauf gemacht. War auch einfach, aber langsamer.

Level 4

Bei Level 4 ging es darum zu gucken, wie viele Linien um ein Viereck bereits gezogen waren und welche Farbe diese hatten. Das war wieder recht einfach, da man einfach nur die Zellen um das Viereck auslesen musste.

Level 5

Level 5 war das Gleiche, nur dass man diesmal wieder die Adresse einer Linie gegeben hatte und dann zwei Vierecke auslesen musste. Auch hier war nicht viel zu tun. Im Endeffekt war nur wichtig zu gucken, ob die Linie horizontal oder vertikal war. Der Rest war das Gleiche wie Level 4.

Level 6

Level 6 war auch noch ok. Hier ging es darum zu gucken, wie viele Vierecke bereits beendet sind. Im Endeffekt musste man zu den bereits gefüllten Zellen weitere Linien einfügen. Dann schauen wie viele Vierecke komplett waren.

Was schiefgelaufen ist

So wie ich es bisher geschrieben habe klingt es nach einem sehr einfachen Fall. Im Nachhinein ist er auch nicht sonderlich schwer. Aber während der Runde hatte ich bereits einige Probleme zu dieser Zeit. Mein größtes Problem war, dass ich mir die Daten nicht gut aufbereitet habe. Ich hab einiges händisch gemacht und habe dabei viel Mist gemacht.

Auch wenn es rein Exceltechnisch nicht schwierig war, war das Aufbereiten der Daten unter dem Zeitdruck eine Herausforderung für mich. Ich habe während des Battles nicht gesehen, dass hinter den Formen, die für die Punkte genutzt wurden, auch wirkliche Punkte in den Zellen waren. Dadurch hab ich Dinge händisch gemacht und dabei einige Fehler gemacht.

Bei Level 6 zum Beispiel habe ich zu viele Vierecke erstellt, wodurch meine Lösung nicht gepasst hat. Meine Formel war korrekt, nur meine Datenquelle leider nicht. Und durch diese Fehler habe ich viel Zeit verloren.

Letztlich habe ich Level 1–6 gelöst, aber weder Level 7 noch einen Bonus. Da ich die Daten falsch aufbereitet habe, haben meine ersten Bonusse nicht gestimmt. Bonus 4 nahm Bezug auf Level 5, das hatte ich richtig und habe auch den Bonus am Ende gelöst, jedoch hatte ich nur noch 2 Sekunden zum Rüberkopieren und war zu langsam. Damit habe ich 60 Punkte liegen lassen, die ich gelöst hatte. Im Endeffekt wieder eine frustrierende Runde, aber nicht unbedingt schlecht.

Für mich ist es immer frustrierend, wenn ich mit mir selbst nicht zufrieden bin. Das Ergebnis ist nicht das Entscheidende, ich will mich einfach nur gut anstellen.

Hier ist ein Video von mir, in dem ich den Fall nochmal löse: Excel Esports - RTLV 6 - "Dots" by Coby Dombrowsky

Arrival Fallacy

Unabhängig von der Runde habe ich auch viel über die Arrival Fallacy nachgedacht. Der Begriff stammt von Tal Ben-Shahar, einem Psychologen, der sich mit Glücksforschung beschäftigt. Die Arrival Fallacy beschreibt den Irrtum zu glauben, dass das Erreichen eines Ziels dauerhaftes Glück oder Erfüllung bringt.

Das Muster sieht meist so aus: Man setzt ein Ziel. Man arbeitet darauf hin. Man erreicht es. Kurz danach: Freude, Erleichterung, vielleicht Stolz. Und dann? Entweder Leere oder direkt das nächste Ziel.

Olympioniken, die jahrelang auf eine Medaille hingearbeitet haben, berichten nach dem Gewinn häufig von Leere statt Euphorie. Michael Phelps, der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, hat offen darüber gesprochen, nach seinen größten Erfolgen in tiefe Depressionen gefallen zu sein. Das Ziel war erreicht. Die Frage „Was jetzt?" hatte keine Antwort.

Wie ich das erlebt habe

Als ich mich 2024 zum ersten Mal qualifiziert habe, war das ein echter Moment. Etwas hatte sich erfüllt. Kurz.

Dann war das Halbfinale in Las Vegas das neue Ziel. Als ich dort stand, war es besonders. Aber auch das war schnell vorbei – und plötzlich war das Finale die neue Messlatte.

2025 habe ich die deutschsprachige Meisterschaft gewonnen und Platz 3 bei der Weltmeisterschaft geholt. Das sind Ergebnisse, auf die ich stolz bin. Aber schon während der Siegerehrung war ein Teil von mir bereits weiter: Was kommt als nächstes? Wie wird die Saison 2026?

Das klingt undankbar. Ich meine es nicht so. Es ist einfach, was passiert. Bei mir ist es nicht so extrem wie bei einem Olympiasieger, der in eine echte Sinnkrise fällt. Aber ich kenne das Gefühl, nach einem Turnier zu sitzen und zu fragen: Was will ich hier eigentlich? Der nächste Wettkampf kommt, das nächste Ziel ist klar. Aber wenn Gewinnen das einzige Ziel ist, kann man am Ende eigentlich nur enttäuscht werden – entweder weil man verliert, oder weil der Sieg weniger gibt als erwartet.

Das Problem mit dem Ankommen

Die Arrival Fallacy funktioniert deshalb so gut, weil das Ziel beim Arbeiten immer klar ist. Wohin du gehst, warum du trainierst, worauf du dich fokussierst – das hat Form und Richtung.

Wenn du ankommst, fällt das alles weg. Und was bleibt, ist oft weniger als erwartet.

Das gilt nicht nur für Excel Esports. Es gilt für Beförderungen, Abschlüsse, Kaufentscheidungen, Lebenspläne. Das Muster ist überall dasselbe: Der Punkt, den man ansteuert, hat im Kopf viel mehr Gewicht als er es in der Realität je haben kann.

Was ich daraus mitnehme

Ich merke, dass meine besten Phasen im Esports nicht die waren, in denen ich Ziele erreicht habe. Es waren die Phasen, in denen ich tatsächlich trainiert habe, Probleme gelöst habe, Dinge verstanden habe, die ich vorher nicht konnte.

Nicht das Ergebnis war der Kern. Die Arbeit davor war es.

Genau deshalb halte ich es für wichtig, regelmäßig zu evaluieren: Was gebe ich meiner Zeit eigentlich für einen Wert? Warum mache ich das? Was soll es mir bringen – jenseits von Platzierungen und Ranglisten?

Das sind keine angenehmen Fragen. Aber sie sind notwendig. Wer das nie hinterfragt, läuft Gefahr, immer nur dem nächsten Ziel hinterherzulaufen, ohne je zu wissen, warum.

Gerade läuft die Saison 2026 nicht so, wie ich es mir vorstelle. Die Form fehlt. Das frustriert. Aber es zeigt mir auch: Der Wettkampf funktioniert nur dann gut, wenn der Prozess stimmt – nicht wenn das Ziel groß genug ist.

Ich habe auch die letzte Zeit deutlich weniger trainiert, bzw. meist sogar gar nicht. Ich denke auch, dass ich nicht unbedingt vergangene Fälle immer wieder trainieren muss. Ich will aber wieder in den Modus, mehr über Excel nachzudenken, mehr Probleme zu lösen und wieder mehr Videos gucken. Selbst das habe ich lange nicht gemacht.

Daher ist mein Fazit: Es ist der Unterschied zwischen Ankommen-Wollen und Arbeiten-Wollen. Das eine endet. Das andere nicht.

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